Wien hat nie die Hitlerzeit
verloren
# Milena Müller
Wohin man geht, ist die erste Frage und das hat mich gewundert, als ich
nach Österreich gekommen bin: Die erste Frage, sobald man den Mund
aufmacht, ist "Woher kommst du?" Das ist die erste Schublade!
# Veronika Rechberger
Die Motivation, politisch zu arbeiten ist einfach das - in vielen
Bereichen von einem unguten Gefühl ausgehend - das Benennen gelernt zu
haben, dass ich einfach unzufrieden war mit dem, was andere gesagt
haben, was ich sein soll! Ich denke, das ist auch eine Stärke von MAIZ,
wo in Gesprächen mit den Frauen, die Frauen einfach auch merken, sie
sind unzufrieden, sie drücken Unzufriedenheit aus, mit dem, was die
Gesellschaft mit ihnen macht.
# Milena Müller
Mein Vater ist Österreicher, meine Mutter ist Chilenin. Also, ich
empfinde mich selber dieser Gruppe zugehörig: Zwischen diesem Hin und
Her. Wo bin ich nun zuhause? Wo gehöre ich hin? Bin ich nun eher so oder
bin ich nun eher so? Und immer dieses Akzeptiert -Werden-Wollen oder
dieses ständige Sich-Definieren-Müssen über angebliche "Nationalitäten".
# Tania Araujo
Ich kann jetzt nicht sagen: Ich äußere mich als Schwarze! Das kann ich
nicht! Ich bin keine Schwarze! Aber ich kann immer als Migrantin
auftreten. Solche Entscheidungen sind entscheidend in unserem Leben. Sie
bestimmen unsere Identität. Inwieweit kann ich als Tania, nicht als
Migrantin, im öffentlichen Raum auftreten? Das ist schwierig, weil ich
bin Tania, aber ich bin auch Migrantin. Ich kann nicht trennen, das geht
nicht! Und ich finde, dieses Einteilen ist wirklich ein europäisches
Problem, eine schizophrene Art, die Leute zu trennen.
# Luzenir Caixeta
Heute möchten wir viel mehr unsere Macht zeigen. Dass wir als
Migrantinnen Macht haben und dass wir uns organisieren können.
# Tania Araujo
Und natürlich, das ist klar, als Migrantin habe ich überhaupt nichts zu
verlieren. Und wer nichts zu verlieren hat, hat viel Raum zu besetzen.
Und die ÖsterreicherInnen haben viel zu verlieren!
# Rúbia Salgado
Wir sind immer in Konfront mit der Gesellschaft hier, mit der
Mehrheitsbevölkerung. Ich finde es z. B. einen Skandal, dass die
Menschen hier sich keine Gedanken machen bezüglich ungerechten Gesetzen!
# Tania Araujo
Diese Sicherheit, die die ÖsterreicherInnen haben - haben wir nicht. Und
für uns ist das auch eine Art von Freiheit! Wir sind frei! Was habe ich
zu verlieren? Ich muss maximal nach Hause zurückfliegen! Ich habe nichts
zu verlieren, denn ich habe keine Wohnbeihilfe, ich habe keinen Anspruch
auf Pension, Arbeitslosengeld maximal 6 Monate, Notstandshilfe habe ich
nicht, und und und!
# Rúbia Salgado
Die Teilnahme und die Komplizität der ÖsterreicherInnen mit der
ungerechten Situation der MigrantInnen, das muss explizit werden!
Klub Zwei im Gespräch mit MAIZ
- Autonomes Zentrum für Migrantinnen
Arbeit an der Öffentlichkeit, 1999 / 2000